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Zum Ende der Seite springen Trichotillomanie
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Heike
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Liebe Expertinnen,

ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen.

Unsere Tochter Melina ist im Grundschulalter. Letztes Jahr im Sommer machte ich eine für mich erschreckende Entdeckung. Melina hat kurz vor den Sommerferien, es ist mir Anfang Juli aufgefallen, angefangen, sich selbst Wimpern auszureißen. Ich war sehr erschrocken, denn anfangs dachte ich, warum ihre Augen so verändert aussehen. Bis ich drauf kam: Es waren an beiden Augen am oberen Augenlid ganz viele Wimpern weg, stellenweise waren gar keine mehr an den oberen Lidern vorhanden.

Ich fragte sie, warum sie das mache und erklärte ihr, dass die Wimpern wichtige Funktionen haben und man ohne Wimpern auch gar nicht so hübsch aussehen würde, wie mit (sie hatte wundervolle, dunkle und dichte Wimpern). Die erste Reaktion meines Mannes war (aus Unwissenheit), dass er sauer war. Er ruderte aber sehr rasch zurück und wir sprachen mit unserer Tochter. Denn ich hatte irgendwo schon mal von einer psychischen Erkrankung gehört und hatte einfach Angst, dass durch eine falsche Reaktion unsererseits alles nur viel schlimmer werden würde und Melina gar nicht geholfen werden kann.

Als Grund nannte uns Melina eigentlich einen harmlosen: Sie erklärte, sie habe sich Dinge wünschen wollen. Dinge wie z.B., dass sie fliegen könnte. Ihr wisst schon, manchmal, wenn eine ausgefallene Wimper auf der Nase hängen bleibt, nimmt man sie, wünscht sich etwas und pustet sie fort; so haben wir es auch oft gemacht (wenn ich nur geahnt hätte, was ich ihr für einen Floh mit dem Unsinn ins Ohr setze). Ich habe ihr erklärt, dass sich solche Wünsche niemals erfüllen werden und, dass man auch andere, kleinere Wünsche nie erzwingen oder erschwindeln kann; dass dieses "Ritual" also einfach nur ein Märchen sei.

Wir gingen das ganze sehr ruhig an, auch wenn ich nach dem Begriff „Trichotillomanie“ gegooglet hatte und bereits da Angst hatte, dass es nicht nur eine einmalige Geschichte sein könnte, sondern tatsächlich diese Erkrankung. Wir suchten uns Ersatz“rituale“, indem wir z.B. kleine und größere Sorgen abends besprachen, in imaginäre Sorgenkugeln packten und die dann platzen ließen. Wir verbalisierten auch, was an dem Tag „schön“ war. Ich durfte die Augen auch fotografieren, damit (wie ich ihr erklärte) sie selbst sehen kann, wie schön ihre Augen wieder werden, wenn die Wimpern langsam wachsen. In Wahrheit wollte ich natürlich Kontrolle über ihr Verhalten haben. Gewissheit. Nach einiger Zeit hörte ich auch mit den Fotos auf, als ich sah, dass die Wimpern langsam und allmählich wieder nachwuchsen. Wir überlegten auch, die KiÄ einzuschalten, aber nahmen erstmal Abstand davon. Wir wollten der Sache eine „Chance“ geben, dass es doch nur ein kindlicher Spleen war.

Die Wimpern wurden wieder schöner und dichter und länger und das alles war kein Thema mehr und ... im Oktober fragte ich dann, ob sie wieder ihre Wimpern ausgerissen hätte, denn die Augen sahen wieder "kahler" aus. Zunächst verneinte sie das, doch ziemlich schnell wurde klar, dass sie mich angelogen hat.

Ich dachte, mir würde gleich ganz schlecht werden und sie weinte und schluchzte und war völlig verzweifelt. An dem Abend erklärte sie mir auch völlig in Tränen aufgelöst, dass sie das manchmal machen "müsse". Auf meine Frage, wer das denn sagt, antwortete sie "Mein Körper." Sie erklärte auch, dass sie sich wieder Wünsche erfüllen wollte und sich gedacht habe, da die Wimpern jetzt wieder dichter seien, könne eine weniger ja nicht schaden. Und noch eine. Und am Tag darauf noch zwei oder drei usw. usf., bis es mir halt wieder auffiel. Irgendwann, nach etwa einer Stunde, beruhigte sie sich dann endlich. Sie versprach mir wieder, nie wieder eine Wimper auszureißen. Ich erklärte ihr auch, dass es mir sehr lieb sei, wenn wir einmal mit einem Arzt oder einer Ärztin darüber sprechen würden, weil die doch oft gut Ideen hätten, wie man Probleme am besten angeht. Melina war so verzweifelt und sie flehte mich unter Tränen an, dass sie nicht zum Arzt muss. Sie wolle nur mit Mama und Papa sprechen und mit niemandem sonst. Sie war so verzweifelt bei dem Gedanken, mit einem Arzt darüber sprechen zu müssen, dass es mir fast das Herz zerriss. Sie erklärte auch so verwirrende Sachen wie, dass sie nach dem Ausreißen schon dachte, dass sie "blöd sei", so etwas zu tun und dann wieder dachte, wie blöd sie eigentlich ist, zu denken, dass sie blöd ist und doch noch eine Wimper ausreißt.

Wir beschlossen, sie zunächst nicht zu zwingen, mit der KiÄ oder/ und einem Psychologen zu sprechen. Ich führte ein Heftchen ein, in dem wir einen Familienvertrag aufnahmen. Ich vermeidete bewusst Formulierungen, wie, dass sie „verspricht“ nie mehr eine Wimper auszureißen. Er basierte auf Formulierungen wie „wir wollen versuchen“ und „wenn es passiert, reden wir und drücken uns ganz feste“ und ähnliches. In dem Heft sammelten wir pro reißfreien Tag einen Stempel. Für 7 Stempel gar es einen Sticker und für 10 Sticker darf sie sich ein Buch oder eine CD oder ähnliches aussuchen. 15 Wochen ging es nun gut. Ich suchte auch Betroffenenrat in einem Forum, in dem ich auch diese Geschichte erzählte. Hier riet man mir, sie nicht zu drängen (auch nicht zum Arzt), Verständnis zu zeigen, nicht zu schimpfen, gerne zu loben und auch zu belohnen. Haben wir gemacht.

Doch in den letzten Tagen wankte die Situation wieder. Erst erzählte sie mir plötzlich, sie hätte sich feste auf die innere Lippe gebissen. Nur um mal zu testen, wie das ist. Alle Alarmglocken schrillten. Und heute sagte sie mir, dass sie heute keinen Stempel kriegen dürfe, weil sie angeblich heute Nacht im Halbschlaf an den Wimpern gezupft habe. Bei genauem Hinschauen konnte ich dann auch sehen, dass tatsächlich an einer Stelle ein paar Wimpern fehlten. Sie weinte bitterlich und bat uns, dass sie damit nicht zu Arzt gehen muss. Ich weiß nicht, warum sie davor so eine Angst hat, aber sie erklärt immer wieder, dass sie nur und ausschließlich mit uns reden mag.

Ich weiß nicht, was richtig und was falsch ist. Wie sollen wir reagieren? Was tun? Zum Arzt zwingen, ja oder nein? Wie können wir ihr helfen? – Ehrlich gesagt, ich habe so eine große Angst, dass es schlimmer wird. Das mehr hinzukommt.

Und jetzt muss ich erstmal aufhören zu schreiben. Es wühlt ungemein auf.

Danke schon mal, für’s aufmerksame Lesen. Ich hoffe, ihr könnt mir etwas helfen.

Viele Grüße

Heike
16.01.2012 21:06
Christiane Rupp
Rabenexpertin

Dabei seit: 19.07.2007
Beiträge: 84

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Liebe Heike!

Ich kann gut nachvollziehen, dass du sehr in Sorge bist. Dennoch ist es gut, erst einmal ruhig zu bleiben. Dieses Verhalten ist meistens eine Stressreaktion, die aber durchaus Zwangscharakter hat.

Ich kann dir auf diesem Weg nicht viel raten, dazu sind die Ursachen zu individuell und damit auch die Wege, das Verhalten zu verändern. Daher würde ich an deiner Stelle unbedingt Hilfe vor Ort suchen. Du kannst unter www.dajeb.de nach Beratungsstellen für Eltern und Familien in eurer Nähe suchen. Du kannst auch eine kinder- und Jugendpsychotherapeutin aufsuchen und zunächst einmal selbst ein Gespräch führen und danach erst mit deiner Tochter gemeinsam. Eine Behandlung wird aber aus meiner Sicht unumgänglich sein.

Ich wünsche euch alles Gute.

__________________
Herzliche Grüsse, Christiane
23.01.2012 20:03 Christiane Rupp ist offline E-Mail an Christiane Rupp senden Nimm Christiane Rupp in deine Freundesliste auf
Heike
unregistriert
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Liebe Christiane!

Danke für deine Antwort.

Ich kann verstehen, dass du keine komplette Analyse unserer Situation vornehmen kannst oder der Ursachen. Ich weiß auch, dass Hilfeholen das beste wäre. Sicherlich werden wir auch, wenn das Problem nicht doch noch von alleine aufhört oder auch durch unsere Hilfe, früher oder später fachliche Hilfe einholen. Wir, also mein Mann und ich, hätten das ja eh schon mittlerweile befürwortet, wenn Melina nicht so einen Schrecken davor hätte.

Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied machen würde, ob ich oder wir erst alleine mit einem Psycholgen sprechen würden und dann erst mit Melina gemeinsam oder ob sie direkt mitkäme. Wenn wir zuerst allein ein Gespräch führen würden, käme das für mich oder uns nur in Frage, wenn Melina davon wüsste. Hier ist es anonymer und könnte jeder aus dem Rabendorf sein. Oder auch ein Gast. Daher versuche ich ja zunächst hier ein paar Handlungstipps zu bekommen. Was ist wichtig, im Umgang mit Melina? Was tut ihr gut, was würde alles noch schlimmer machen? So ganz grundsätzlich vielleicht. Was sollten wir auf jeden Fall machen, was auf jeden Fall unterlassen? Wie ich sagte, ich hab schonmal in einem Forum gepostet und mir einige Tipps eingeholt, aber aus eurer Expertensicht würden mich grundsätzliche Empfehlungen (außer, dass wir fachlichen Rat einholen sollten) doch auch interessieren. Ich hab einfach große Angst, selbst falsch zu reagieren. :(

Danke und viele Grüße

Heike
24.01.2012 09:21
even
***

Dabei seit: 02.08.2007
Beiträge: 187

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Hallo Heike,

ich kann verstehen, dass es schwer ist, da nicht panisch zu reagieren und ich finde, Ihr habt das prima gemacht.

Vor ein paar Tagen erst habe ich über einen neuen Ansatz in der Trichotillomanie-Behandlung gelesen. Mir fällt leider nicht mehr ein wo, vielleicht finde ich es nochmal. Im Kern ging es darum, dass den Betroffenen beigebracht wurde, die Handlung zu unterbrechen und stattdessen etwas anderes zu tun. Dh. z.B. die Finger auf die Augenbrauen oder Wimpern zu legen und die Stelle freundlich zu streicheln, statt Haare auszureißen. Vielleicht hilft es Deiner Tochter, das Reißen zu unterbrechen.
Ob es sinnvoll wäre, doch in Richtung Erziehungsberatung/Therapie zu denken, weißt Du selbst am besten. Wenn es ein Streßsymptom ist, weil die Tochter mit irgendetwas nicht fertig wird, hilft auch kein Verstärkerplan auf Dauer.

Liebe Grüße

even
24.01.2012 16:08 even ist offline E-Mail an even senden Nimm even in deine Freundesliste auf
Heike
unregistriert
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Liebe even,

danke für deinen Hinweis.

Leider kann ich nicht immer sofort anworten, weil meine Beiträge anscheinend erst durch einen Mod geprüft und freigeschaltet werden müssen. Ich hatte heute bereits einen Beitrag formuliert, bevor du deinen geschrieben hast, der ist aber noch nicht freigeschaltet. Vielen Dank also.

LG

Heike
24.01.2012 19:42
bueropflanze bueropflanze ist weiblich
*

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Dabei seit: 11.01.2012
Beiträge: 14
Herkunft: Berlin
Kinder: ET 09.06.2012

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Liebe Heike!

Ich möchte mich den Vorrednerinnen anschließen und Dir sagen, dass Du auch erstmal ganz allein einen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten aufsuchen kannst. Selbstverletzende Verhaltensweisen wie Trichotillomanie sind v.a. für Eltern eine große Herausforderung.

Ich selbst habe habe mich bis vor zehn Jahren in Stresssituationen geschnitten.

Mir hat im jungen Erwachsenenalter eine Psychotherapie geholfen das Schneiden aufzugeben. Ein sehr schöner Satz, der mir in der Therapie immer wieder geholfen und die Augen geöffnet hat, war, dass erlerntes Verhalten durch das Lernen neuen Verhaltens abgelegt werden kann (in eurem Fall Verstärkung positiven Verhaltens, oder wie even schrieb "die Wimpern zu streicheln"). Ich glaube daher, dass Eure Tochter ihr Verhalten mit Eurer Einfühlsamkeit und Liebe mit Sicherheit auch wieder ablegen wird.

Einen Psychologen vor Ort würde ich aber dennoch zu Rate ziehen, da -zumindest mein Eindruck ist-, dass Melina gerade *unbeabsichtigt* die Erfahrung macht, dass sie durch ihr Verhalten besondere Aufmerksamkeit von euch bekommt und auch "Macht". Und das könnte die Trichotillomanie möglicherweise *auch unbeabsichtigt* attraktiv halten.

Ein Freund sagte mir einmal, dass er angst hätte, wenn ich mich schneide. Für mich war dieses Statement auch sehr augenöffnend, da ich diesem Freund um nichts in der Welt Schmerz bereiten wollte. Vielleicht würden so offene Worte eurer Tochter auch ein Stück weit helfen?

Möglicherweise kann Melina sogar die Ursachen für ihren Stress reflektieren und benennen?

Alles Liebe und Gute für Euch

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von bueropflanze: 24.01.2012 23:49.

24.01.2012 23:47 bueropflanze ist offline E-Mail an bueropflanze senden Nimm bueropflanze in deine Freundesliste auf
Anni09
****

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Dabei seit: 30.10.2009
Beiträge: 468
Herkunft: Ostfriesland
Kinder: Februarbaby 2009

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Per Pn kann ich dir sehr gut helfen, auch zur neuen Studie die o.g. wurde. Habe sie selbst hier!

__________________


24.01.2012 23:52 Anni09 ist offline E-Mail an Anni09 senden Nimm Anni09 in deine Freundesliste auf
Heike
unregistriert
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Hallo zusammen,

ich wollt halt nur nochmal danke sagen für eure Antworten.

Leider werden meine Antworten hier erst nach langer Wartezeit freigeschaltet. Das ist schade, da ich so nur langsam reagieren kann. Vielleicht könnte man auch für dieses Forum einen allgemeinen Nick ins Leben rufen, so dass wenigestens an den Tagen, an denen hier geschrieben werden kann, der Beitrag direkt erscheit und nicht erst freigeschaltet werden muss.


Vielleicht kann mir nochmal eine Expertin eine etwas richtungsweisende Antwort geben? Dass wir einen Psychologen aufsuchen sollten, das weiß ich ja. Aber sicherlich gibt es auch aus Expertensicht einige allgemein nützlichen Tipps? Oder?

Vielen Dank also..... :)

LG

Heike
30.01.2012 22:24
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